Im Mai 2018 ist Klaus Schmidtchen aus Koblenz, ein ehemaliger Chemnitzer und Zeitzeuge der Zerstörung von Chemnitz durch Bombenangriffe im Februar und März 1945, erstmals auf die "Chemnitzer Geschichten" gestoßen. Besonders der Bericht über die Bombenangriffe auf Chemnitz hatte ihm das fürchterliche Geschehen wieder in Erinnerung gebracht, das er  damals selbst erlebt hat.

Seitdem ist Klaus nach vielen Mailkontakten, Telefongesprächen und interessantem Gedankenaustausch über "Ost und West", über "Gott und die Welt" mir ein lieber Freund geworden. Manche Rückschau auf sein Leben oder Hinschau auf Themen unserer Zeit verfasst er in Form von Gedichten. Er hat mir erlaubt, einige seiner Gedichte in die "Chemnitzer Geschichten" aufzunehmen, was ich von ihm als ehemaligen Chemnitzer natürlich gern tun möchte. Hier einige seiner Gedichte:

 

 

                                        Müde                                           

 Dir ersten Jahre meiner Zeit
Naziherrschaft – Ängstlichkeit.
Es war klug, nicht aufzumucken –
eher galt: sich abzuducken!


So lebte man vom Tage hin zur Woche,
in den Trümmern der Epoche.
Es war die Hoffnung dieser frühen Jahre,
sich zu erheben wieder von der Bahre!

Die Erwartung war schon trügerisch –
ich kannte Politik noch nicht!

Die nächsten zehn der Jugendjahre,
lernte ich das Relative in der Sprache.
Denn nun begann die „Neue Zeit“ –
mit endlich mehr „Gerechtigkeit“.

Die Hoffnung und den Glauben,
lässt der Mensch sich nimmer rauben!
Doch neue Lügen allerseits –
wurden Grund erneutem Leids!

Die Hoffnung wurde nicht erfüllt,
meine Sehnsucht nicht gestillt.

So ging's gen Westen im die andre Welt,
in der die „Menschlichkeit“ mehr zählt.
Das war zu gut gedacht –
hier wird vor allem GELD gemacht!

Zu dienen hat man jetzt dem Kapital –
die Menschenwürde ist dabei egal!
Es gilt der Glanz, der große Schein – '
es geht um's HABEN mehr,
denn um das SEIN.

Schon stand Enttäuschung im Gesicht –
das war meine Richtung nicht!

„Wachstum“ führt zum Paradeis –
mit Klimawandel zahlen wir den Preis.
Was kümmert das den monetären Hai –
er hört nicht der Betroff´nen Schrei.

Den Profit gilt es zu trimmen –
die Bilanzen müssen stimmen.
Und die Masse? – ist nicht irritiert –
bedenkenlos wird konsumiert.

Der kleinste Vorteil wird erheischt,
schamlos wir darum gefeilscht.
Einst dachte ich: das sei vorbei –
Arbeit wird zur Sklaverei.

Der "MARKT" wird alles richten –
ich glaube das mitnichten!

So geht es schon Jahrzehnte weiter,
die Schneisen werden immer breiter.
Unvernunft bestimmt die Welt.
Wie lang das wohl der Mensch aushält?

Jenseits von den Sonntagsworten,
geht es weiter mit dem Morden.
Die Mächtigen in ihrem Wahn,
ficht das Unheil gar nicht an.

Du bist als Mensch nur mit ADRESSE
und als KONSUMENT von Interesse.
Man will mit skrupelloser Gier –
nur das Geld von dir.

- als Mensch –
hab ich mich offenbar geirrt

Es sind nur wenige empört
wie man die Natur zerstört -
Viel zu viele sind erblindet,
wie die Vielfalt schwindet.

So ziehe ich mein Resümee:
Müde bin ich, traurig, resigniert –
weil sich Zuversicht verliert.

Ohne Protegé,
vergeht die Hoffnung
peau á peau.

                                                                     Klaus Schmidtchen, Koblenz

 

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