von Karlheinz Reimann,

geschrieben im März 2021. Ein Statement, nachdem mir auch jetzt wieder zugetragen wurde, dass zu diesem Sachverhalt gelegentlich immer noch Nachfragen und Zweifel kursieren.

Das Gerücht:

„Der Vorsitzende des Gemeinderates (1990 bis 1994), der Reimann war auch bei der Stasi, denn der hatte schon zur DDR-Zeit eine Funkstation zu Hause. Das durfte nur, wer bei der Stasi war.“

Das ist eine frei erfundene Behauptung und sie ist völlig falsch. Es gab in der DDR ca. 7.000 lizensierte Funkamateure, davon schätzungsweise 3.000 mit einer Amateurfunkstation zu Hause, mit Genehmigung durch die Deutsche Post auf Vorschlag der GST (Gesellschaft für Sport und Technik). Alle Funkamateure der DDR waren mit Namen, Wohnadresse und ihrem weltweit einmalig vergebenen Rufzeichen in der „Rufzeichenliste der Amateurfunkstellen der DDR“, für jeden zugänglich aufgeführt, analog einem Telefonbuch. Wer glaubt da ernsthaft, dass die Stasi ihre Mitarbeiter so veröffentlicht hätte?

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Oktober 2012 zum Vortrag für eine Veranstaltung der BStU Außenstelle Chemnitz, überarbeitet im Februar 2021.


Die Stasi war allgegenwärtig

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR, gegründet im Februar 1950 und streng nach sowjetischem Vorbild organisiert, war einer der erfolgreichsten Geheimdienste für Spionage und Spionageabwehr weltweit. Ein absolutes Glanzstück der DDR-Spionage war, dass über Jahre bis April 1974 mit Günter Guillaume ein Offizier des MfS als Referent, ständiger Begleiter und zur Bearbeitung von Geheimpapieren im Vorzimmer des Bundeskanzlers Willy Brandt  etabliert war. Willy Brandt trat nach diesem Skandal zurück, Helmut Schmidt wurde Bundeskanzler. Die Staatssicherheit war aber auch eine gefürchtete Geheimpolizei, die Menschen selbst verhaften, in eigenen Untersuchungshaftanstalten einsperren und drangsalieren konnte und  deren Wirken sich gegen Ende der DDR überwiegend  gegen das eigene Volk gerichtet hat. So war sie 1989 in der Bevölkerung zum meistgehassten Organ des SED-Regimes geworden. Die Bürgerbewegung in der DDR sah  in der restlosen Entmachtung  und Auflösung der Staatssicherheit die wichtigste Voraussetzung für gesellschaftliche Veränderungen  im Land, die entgegen  allen Rettungsversuchen unter Ministerpräsident Modrow im März 1990 erzwungen werden konnte. Viele Mitarbeiter des MfS mit ihren Familien waren  bitter enttäuscht, als sie nun von der SED dem Volkszorn preisgegeben wurden und die Partei, in deren Auftrag als ihr "Schild und Schwert" das MfS dienstergeben tätig war, mit ihrer eigenen Verantwortung in den Hintergrund trat. 

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Mail 2014

Niemand spricht vom ehemaligen Deutschen Kaisereich, von der ehemaligen Weimarer Republik oder vom ehemaligen Dritten Reich. Von der ehemaligen DDR wird dagegen auch nach einem Vierteljahrhundert häufig gesprochen oder geschrieben, nicht selten auch von unseren Koryphäen aus Politik und Medienwelt. Das mag oft gedankenlos nachgesprochen oder ein Lapsus im Gebrauch der deutschen Sprache sein. Zuweilen aber auch bedacht abwertend: Ihr wart doch marode und pleite! Warum sagt man nicht einfach DDR? Die Historie ist schließlich hinreichend bekannt.

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von Klaus Gackstädter und Karlheinz Reimann,

geschrieben im Januar 2010  (1), aktualisiert im Dezember 2019

Der   Chemnitzer    Stadtteil   Adelsberg    beging   im Jahr 2009 mit  einer Veranstaltungsreihe sein     75-jähriges  Bestehen unter diesem Namen. Florian Morgenstern vom Heimatverein Adelsberg blickte am Ende mit dem Resümee „Ein gelungenes Menü" auf das Festjahr zurück. Zum Vortrag über die Stasi in Adelsberg schrieb er: „Karlheinz Reimann servierte eine schwer verdauliche Kost, die so manchem noch heute im Magen liegen dürfte. Er beschrieb in seinem Vortrag die Zeit des stabilen Grauens in Adelsberg und blickte hinter so manche Tür auf dem ehemaligen Stasi-Gelände. Dass die Menschen mit diesem Thema nicht abgeschlossen haben, zeigte die überfüllte Kirche an diesem Abend". (2)

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Januar 2014

Im September 1966 wurde in Moskau auf der Ausstellung „interorgtechnika" von Robotron die erste moderne EDVA im RGW-Bereich, ein Konstruktionsmuster des Systems R300, mit einer großen Palette peripherer Geräte zum ersten Mal gezeigt. Auch zum großem Erstaunen von Spezialisten anderer Firmen der BRD und aus dem westlichen Ausland trotz  der bestehenden Embargobedingungen. R300 war ein volltransistorisierter Rechner der zweiten Generation nach IBM/1400-Architektur mit ausgereifter Gefäßkonstruktion, gewickelter Rückverdrahtung (wire-wrap), Flachkabelverbindungen und vergoldeten Steckkontakten. Der Rechner war robust und zuverlässig, er lief, lief und lief ... mancherorts noch bis 1990. Er war in der Rechentechnik der DDR das, was anderenorts im Autosektor der VW Käfer war. „Bis 1970 wurden 351 Anlagen für Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung der DDR produziert", weiß Rolf Kutschbach, der damals federführend an Marktanalyse und Konzeption des Systems gearbeitet hat, aus dem Stegreif. R300 war eine große Gemeinschaftsleistung, an der weit über einhundert Ingenieure, Mathematiker, Konstrukteure und Mitarbeiter im Musterbau, darunter auch viele Frauen (wodurch sie auch erhöhte Rentenanrechte erworben haben), in verschiedenen Betrieben beteiligt waren, mit der die Rechentechnik und elektronische Datenverarbeitung in der DDR auf ein völlig neues Niveau gehoben wurden. Dieses komplexe System war aber auch eine große Herausforderung hinsichtlich der Überleitung der Entwicklung in die Produktion in neu errichteten Fertigungsstätten mit neu eingestelltem Personal, vor allem in Dresden. Bei Robotron in Karl-Marx-Stadt war Günter Bezold einer der führenden Organisatoren für diese nicht selten komplizierten Prozesse.

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von Karlheinz Reimann,
geschrieben im Februar 1991, überarbeitet im Oktober 2018.

 

Kurt Wetzel, Jahrgang 1919, hat in sechs Kriegsjahren dem Tod viele Male ins Auge geblickt. Vor allem an der Ostfront hat er Grausamkeiten von ungeheurem Ausmaß gesehen. Zweifellos hat dies den jungen Mann stark geprägt. Über vieles in der Welt zwischen Himmel und Erde hat er nachgegrübelt, und in so mancher Verzweiflung im Krieg hat er Kraft geschöpft aus seinem tief verwurzelten Glauben als Christ. Er hatte Glück und kam unversehrt aus dem Krieg zurück. Der Hunger im Land während der Nachkriegsjahre war groß und allgegenwärtig. Aufgewachsen in der elterlichen Landwirtschaft, wollte er die Tradition fortsetzen, wieder einen Landwirtschaftsbetrieb aufbauen und diesen mit Tatkraft und Kreativität betreiben. Er hatte sich viel vorgenommen, aber manches kam ganz anders, als er sich vorgestellt hatte.

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Dezember 2010 (nach persönlichen Aufzeichnungen von 1991)

Manfred Beyer (Name geändert) lebt mit seiner Frau und der heranwachsenden Tochter in  einem Städtchen im Vogtland. Er hat sein Hobby - das Fotografieren - zum Beruf gemacht. Mit der Arbeit bei der DEWAG verdient er sein Einkommen und ist damit eigentlich zufrieden. Auch in seiner Freizeit geht er seiner Leidenschaft nach, längst hat er seine künstlerischen Ambitionen entdeckt. Er ahnte damals nicht, dass sich später sein Leben dramatisch ändern wird, weil er durch das Fotografieren in eine Erpressung durch die Staatssicherheit gerät.

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