Von Karlheinz Reimann, 

geschrieben im September 2022.


Seit 1990 gibt es unsere kleine Dorfzeitung
"Gemeindebote", die heute  vom Bürgerverein Kleinolbersdorf-Altenhain mit Beiträgen des Ortschaftsrates sowie von Einwohnern und Lesern  gestaltet wird und den Einwohnern sechsmal im Jahr kostenlos zur Verfügung steht.


Vor mir liegt unser Gemeindebote, die Ausgabe Juli 2022. Auf der Titelseite bunte Bilder mit vielen strahlenden Kinderaugen, die stolz ihre Avanti-Urkunden des Bürgervereins präsentieren. Soweit ich weiß, gibt es das nur bei uns. Mir gefällt, nicht nur die Besten – das ist klar - auch die, deren Anstrengungen zu einer Verbesserung geführt haben, werden ausgezeichnet.
Das Schuljahr ist zu Ende, endlich Ferien! Auf den Bildern frisches Grün und Sonnenblumen. Aber Sommerfrische war früher. Seit Wochen schwitzen wir, zuweilen auch bei über 35 Grad, und erleben eine bisher nicht gekannte Trockenheit. Der Rasen ist mehr braun als grün, Pflanzen und Tiere leiden, am schlimmsten der Wald, wenn er nicht sogar brennt. Der Feuerwehr, auch unserer Freiwilligen Feuerwehr, wird künftig ein bedeutend größerer Stellenwert zukommen als in der Vergangenheit. Viele farbige Bilder im gesamten Heft, auch diesmal wieder viele von Kindern, den „Gartenzwergen“, den „Waldameisen“ sowie aus Schule und Hort. Das nimmt oft viel Platz im Heft ein. Manchmal höre ich, das sei zu viel und gehe zulasten von anderem, das ältere Leser auch interessiert. Aber die Kinder sind unser aller Zukunft – wenn wir Erwachsenen ihnen eine Zukunft geben!  Und gedruckt werden kann nur, was geschrieben und dem Bürgerverein eingereicht wird. Schreiben Sie oder regen Sie an, im „Gemeindebote“ ist dafür Platz! Im „Einsiedler Anzeiger“ war kürzlich der neue lokale Bus-Fahrplan abgedruckt, was für Einwohner dort hilfreich war. Das wäre vielleicht auch eine Idee für uns.

GBJuli2022

 

Es war ein Qualitätssprung, auch für unseren „Gemeindebote“, als der Riedel-Verlag nach Investitionen ab 2006 seine Erzeugnisse in Farbdruck herstellen konnte. Aber dazu müssen die Fotos erstmal aufgenommen werden. Das ist bei Michael Teuchert in guten Händen. Es verdient Anerkennung, wie oft und vielerorts er dafür unterwegs ist und unseren „Gemeindebote“ mit Bildern füllt. Die Erinnerung an die Problematik „Arzt und Patientenverfügung“ veranlasst  manchen zu einer notwendigen Prüfung der eigenen Unterlagen. Erstaunlich war auch der Bericht, wie mit erheblichen Spenden und großem Engagement die neue Schutzhütte „Erzgebirgsblick“ aufgestellt werden konnte. Den Älteren unter uns sind Texte christlicher Lieder von Paul Gerhardt noch in Erinnerung. Die Stadt Chemnitz hat ihm und seinem Schaffen eine Straße gewidmet. Bereichernd für mich war, in welch erbarmungswürdigem Leben dieses Schaffen entstanden ist.

Sehr interessant fand ich auch den Bericht der beiden Schülerinnen der Klasse 4 vom Besuch im Schulmuseum Ebersdorf. Vieles was dort im Museum gezeigt wurde, war für uns 1950 normaler Alltag in der Schule Kleinolbersdorf.  Ob groß oder klein, jeder musste in die Bank hinein. Das waren damals noch die alten Bänke von 1902, vor denen auch schon der legendäre Oberlehrer Müller gepredigt hatte. Das Bild zeigt das Klassenzimmer im Erdgeschoß rechts mit den Klassen 5 und 6, auch mit Schuldirektor und Lehrer Helmut Goldammer. Die Schule war damals noch sechsstufig, so dass ein Jahr lang auch mal zwei Klassen gemeinsam unterrichtet wurden. Das ging, wir haben trotzdem gut gelernt. Wir waren einerseits ärmlich dran, aber vom Krieg her auf schlechte Zeiten noch gut vorbereitet. Stromausfall hätten wir an der Heizung oder am Tafelbild mit Kreide oder in unseren Schreibheften mit Tinte gar nicht bemerkt. Der Kugelschreiber, ganz neu aus Amerika, war bei uns noch teuer und ein Weihnachtsgeschenk. Im modernen Zeitalter der Digitalisierung liegt bei Stromausfall alles am Boden.

IMG 7607 fr

Klassen 5 und 6 im Klassenzimmer Erdgeschoß rechts der Schule Kleinolbersdorf um 1950   (Bild: Lichtbild Hempel, privat bei Karlheinz Reimann)

 

Natürlich möchte niemand, auch ich nicht, zurück in diese Zeit. Aber wir sollten uns bewusst sein, wie verletzlich unsere moderne Zeit heute ist und was dringend nötig ist, um unseren Kindern eine Zukunft zu geben. Der jahrzehntelange, leise Krieg gegen unseren blauen Planeten mit Resourcenverbrauch, Vergiftung der Meere mit Plastik,  Umweltzerstörung und Klimaveränderung ist sehr besorgniserregend. Kriege  wie im letzten Jahrhundert mit den verfügbaren Mitteln von heute sind völlig indiskutabel für unsere Zukunft. Gorbatschow, der in seiner Politik Macht mit Moral verband und damit den Kalten Krieg  beendet hat, schreibt 2019: „Die Differenzen zwischen den Staaten dürfen einzig und allein mit friedlichen Mitteln beigelegt werden, mit Hilfe von Dialog und Verhandlungen. Wenn wir weiter die früheren Methoden zur Lösung internationaler Konflikte anwenden – Krieg, Eroberung, das Prinzip, sich Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen – so erwächst daraus eine tödliche Gefahr für alle“ (1). So ist der Krieg gegen die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen, egal was vorher auch vom Westen her schiefgelaufen ist. Er ist ein Rückfall Russlands in die Breschnew-Doktrin vor 50 Jahren, hat dramatische Auswirkungen weltweit, ist nicht zuletzt ein Verbrechen auch an den russischen Soldaten. Dabei hat die Ukraine 1994 mit dem Budapester Memorandum ihre 1.700 Atomsprengköpfe aus der Sowjetzeit an Russland übergeben unter der Versicherung, dass Russland, die USA und Großbritannien die Souveränität der Ukraine garantieren.  „Mensch Erde, wir könnten es so schön haben“, meint Eckart von Hirschhausen und zeigt in seinem Buch vieles auf, was für eine verantwortungsvolle Gestaltung der Zukunft getan werden sollte, damit uns und unseren Kindern eine Zukunft bleibt.

Mit dem Gender-Hinweis in unserem „Gemeindebote“ ist ein klarer und guter Satz geschrieben. Ich halte die Gender-Sprache für eine Verhunzung unserer schönen deutschen Sprache. Unsere großen Dichter Goethe oder Schiller würde es grausen, das zu erleben. Die aus historischer Vergangenheit („das Weib ist dem Manne untertan“, Epheser 5:22) noch vorhandene Ungleichbehandlung von Frauen in unserer Gesellschaft wird durch das Gendern nicht im Geringsten beseitigt, höchstens übertüncht. Warum werden bundesweit Frauen um 22% – der Osten steht mit 18% etwas besser da als der Westen – niedriger entlohnt als Männer? Schauen Sie die Prämien unserer Fußballfrauen an, spielen die so viel schlechter als die Fußballmänner? Warum sind in der Drogerie Kosmetikerzeugnisse für Frauen grundsätzlich teurer als die für Männer? Warum sind Frauen in Führungsgremien oft unterrepräsentiert? Nicht selten tragen Frauen eine Mehrbelastung durch Beruf, Familie und Kinder und verzichten deshalb auf eine berufliche Karriere, nicht weil sie weniger fähig sind als Männer. Bei alldem ist das Gendern nur leere Fassade.

Zur Historie unseres „Gemeindebote“: Entstanden ist die Idee einer kleinen Dorfzeitung – heute unser „Gemeindebote“ – spontan in der Bürgerbewegung auf unserer zweiten Kirchenversammlung am denkwürdigen 9. November 1989, am Abend des Mauerfalls in Berlin. Die Bürger wollten damals eine eigene Stimme haben und selbst mitreden, wie es in der verfahrenen Situation der DDR bei uns weitergehen sollte, ohne Bevormundung und Zensur durch „die Partei“. Kurz danach wurde diese Forderung gegenstandslos. Der „Gemeindebote“ wurde ein Bindeglied zwischen Gemeindeverwaltung/Ortschaftsrat und der Einwohnerschaft. Nach 30 Jahren hat der Bürgerverein Kleinolbersdorf-Altenhain die Gestaltung übernommen und sogar erweitert: Aus vier Ausgaben im Jahr sind sechs geworden, die den Einwohnern nach wie vor kostenlos zur Verfügung stehen. Das bedeutet für jede Ausgabe einige Müh‘ und Arbeit. Dafür gebührt den Macherrinnen und Machern für ihre überwiegend ehrenamtliche Arbeit an unserem „Gemeindebote“ ein ganz großes Dankeschön.

 

Anmerkung:

(1) Gorbatschow, Michail: „Was jetzt auf dem Spiel steht“ Mein Aufruf für
                      Frieden und 
Freiheit, Seite 90. Siedler Verlag, München 2019.